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Charmides
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Der Charmides (altgriechisch ΧαÏÎŒÎŻÎŽÎ·Ï CharmĂdÄs) ist ein in Dialogform verfasstes frĂŒhes Werk des griechischen Philosophen Platon. Den Inhalt bildet ein fiktives GesprĂ€ch von Platons Lehrer Sokrates mit dem Jugendlichen Charmides, nach dem der Dialog benannt ist, und dessen Vetter Kritias.
Bei den beiden GesprÀchspartnern des Sokrates handelt es sich um historische Personen. Charmides war der Bruder von Platons Mutter Periktione; auch Kritias war als Periktiones Vetter weitlÀufig mit Platon verwandt. Beide wurden spÀter bekannte Politiker der oligarchischen Richtung.
Im Dialog wird versucht zu klĂ€ren, was die Besonnenheit (sĆphrosĂœnÄ) ausmacht und worin ihr Sinn und Zweck besteht. Die Untersuchung fĂŒhrt zu keinem positiven Ergebnis; als aussichtsreicher Ansatz erscheint immerhin ein Definitionsvorschlag, dem zufolge Besonnenheit ein Wissen ĂŒber eigenes und fremdes Wissen und Nichtwissen ist, also Selbstkenntnis erfordert. Damit stellen sich die Fragen, ob ein Wissen, das sich selbst zum Gegenstand hat, ĂŒberhaupt möglich ist und welchen Nutzen es gegebenenfalls hat. Beide Fragen bleiben trotz aller BemĂŒhungen offen, Klarheit lĂ€sst sich vorerst nicht gewinnen. Somit endet der Dialog in einer Aporie, einer Lage, in der sich keine Lösung abzeichnet.
In der Forschung wird kontrovers darĂŒber diskutiert, welche Konsequenzen Platon aus den negativen Ergebnissen der Untersuchung im Charmides gezogen hat und wie er die Möglichkeit eines selbstbezĂŒglichen Wissens beurteilt hat.
Contents
âą Inhalt
âą Interpretation
âą Entstehung
âą Rezeption
âą Literatur
âą Weblinks
âą Anmerkungen
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Ort, Zeit und Teilnehmer
Die philosophische Diskussion findet in Athen, der Heimatstadt der Beteiligten, statt. Eingeleitet wird der Dialog von einer Rahmenhandlung, in der Sokrates im GesprĂ€ch mit einem Freund als ErzĂ€hler auftritt. Detailliert beschreibt er dem Freund den Verlauf seiner Unterredung mit Charmides und Kritias, wobei er sich nur auf sein GedĂ€chtnis stĂŒtzt. Diese erzĂ€hlende Wiedergabe der Haupthandlung als vergangene Begebenheit, die ânarrativeâ oder âdihegematischeâ Form des literarischen Dialogs, ermöglicht es dem Autor, dem Leser zusĂ€tzliche Informationen ĂŒber das Verhalten und die wechselnden GemĂŒtszustĂ€nde der Diskutierenden zu geben. Darin liegt der Vorteil der narrativen Form gegenĂŒber der âdramatischenâ, bei der das GesprĂ€ch unmittelbar szenisch dargestellt wird und der Leser nur den bloĂen Wortlaut des Gesagten erfĂ€hrt.cite-ref-1[1] Sokrates geht im RĂŒckblick auf die Geschehnisse, die er seinem Zuhörer schildert, freimĂŒtig auf seine damaligen GefĂŒhle ein.
Nach Sokratesâ Worten war der Schauplatz der Diskussion die Palaistra des Taureas, ein Ringplatz, der als beliebter Treffpunkt zu Unterhaltung und Sport diente. Sie befand sich im SĂŒden der Akropolis gegenĂŒber dem Tempel der Persephone.cite-ref-2[2] Den Zeitpunkt der Dialoghandlung gibt Sokrates am Anfang an: Am Vorabend ist er âvon dem Heer vor Poteidaia zurĂŒckgekommenâ.cite-ref-3[3] Er berichtet von einem verlustreichen Gefecht, das kurz zuvor stattgefunden hat. In der Ă€lteren Forschungsliteratur herrschte die Auffassung, dass die Schlacht von Poteidaia im Herbst 432 v. Chr. gemeint sei, doch nach heutigem Forschungsstand steht fest, dass es sich um die Schlacht von Spartolos im Mai 429 v. Chr. handelt. Der historische Sokrates hat an dem gesamten Feldzug, der von 432 bis Mai 429 v. Chr. dauerte, teilgenommen. Somit lĂ€sst Platon das GesprĂ€ch im Mai 429 v. Chr. stattfinden.cite-ref-4[4]
Beteiligt sind Sokrates, Charmides, Kritias und der Philosoph Chairephon, ein Freund und SchĂŒler des Sokrates. Charmides ist ein Jugendlicher (meirĂĄkion),cite-ref-5[5] er ist etwa 14 bis 17 Jahre alt. Kritias ist rund dreiĂigjĂ€hrig, Sokrates vierzigjĂ€hrig. Sokrates und Chairephon sind ungefĂ€hr gleichaltrig und seit ihrer Jugendzeit befreundet. Wie in den meisten Dialogen Platons ist Sokrates die Hauptfigur. Er tritt wie ĂŒblich bescheiden auf und gibt sich unwissend. Dennoch lenkt er stets das GesprĂ€ch in die von ihm gewĂŒnschte Richtung und fĂŒhrt die anderen zur Einsicht in die UnzulĂ€nglichkeit ihrer Vorstellungen. Charmides wird anfangs von Kritias als besonnen gerĂŒhmt; sein Verhalten lĂ€sst dann seine gute charakterliche Veranlagung erkennen, doch ist er nicht wirklich besonnen im Sinne eines anspruchsvollen VerstĂ€ndnisses dieses Begriffs. Kritias ist der Vormund des Charmides, dessen Vater bereits ums Leben gekommen ist. Er ist weit entfernt von âBesonnenheitâ im Sinne von MĂ€Ăigung, Umsicht und Selbstbeherrschung; die Eigenschaft, die das Thema der Diskussion ist, geht ihm ab. Seine aristokratische Gesinnung und seine Verachtung des einfachen, arbeitenden Volkes treten deutlich hervor; gewerbliche TĂ€tigkeit als Handwerker oder HĂ€ndler hĂ€lt er fĂŒr eine Schande.cite-ref-6[6] In der Diskussion ist er nicht geneigt, auftauchenden Problemen auf den Grund zu gehen; wenn er auf einen Einwand stöĂt, weicht er der Schwierigkeit mit einem neuen Ansatz aus. Chairephon ergreift nur anfangs das Wort, an der Auseinandersetzung mit dem philosophischen Problem beteiligt er sich nicht.cite-ref-7[7]
Die Handlung zerfĂ€llt in zwei klar getrennte Teile: In der ersten Phase der Diskussion ist Charmides der Partner des Sokrates, in der zweiten ĂŒbernimmt Kritias seine Rolle.
Inhalt
Die Rahmenhandlung
Sokrates berichtet als ErzĂ€hler, dass er nach seiner RĂŒckkehr vom Feldzug in der Palaistra viele Bekannte angetroffen hat, darunter Kritias und Chairephon. Bei ihnen erkundigte er sich, welche von den Jugendlichen, die seit seinem Aufbruch vor drei Jahren herangewachsen waren, sich durch besondere geistige oder körperliche VorzĂŒge auszeichneten. Beide lobten Charmides als den schönsten, und als Sokrates nach seelischen QualitĂ€ten fragte, wies Kritias auf die nachdenkliche Art seines Vetters hin. Charmides, dessen Schönheit in dem homoerotischen Milieu einen starken Eindruck machte, wurde herbeigerufen. Auch Sokrates war vom Anblick des Jugendlichen fasziniert, sein eigentliches Ziel war aber die geistige Begegnung mit Charmides.cite-ref-8[8]
Auf die Beschreibung dieser Ausgangssituation folgt Sokratesâ Bericht ĂŒber den Verlauf der Diskussion.
Die erste GesprÀchsphase
Charmides fragt Sokrates nach einem Mittel fĂŒr seinen Kopfschmerz. Sokrates nimmt dies zum Anlass, ihm das Konzept einer ganzheitlichen Medizin zu erklĂ€ren: Man könne den Kopf nicht fĂŒr sich allein heilen, sondern mĂŒsse dessen Zusammenhang mit dem ĂŒbrigen Körper beachten. Gute Ărzte seien sich der Notwendigkeit bewusst, den Körper als Ganzes zu behandeln, wenn man einen Teil heilen wolle. Diese Erkenntnis griechischer Ărzte sei aber nur eine Teilwahrheit. Ăber sie hinaus fĂŒhre eine Einsicht, die er, Sokrates, thrakischen Ărzten verdanke, welche sich auf den Gott Zalmoxis beriefen. Nach deren tieferem GesundheitsverstĂ€ndnis mĂŒsse der Körper zusammen mit der Seele geheilt werden, denn alles Gute und Schlechte in ihm habe seinen Ursprung in der Seele. Die Heilung der Seele bestehe darin, ihr Besonnenheit zu verschaffen. Daher solle Charmides zuerst seine Seele untersuchen lassen.cite-ref-9[9]
Sokrates beginnt die Untersuchung mit der Frage an Charmides, ob er tatsĂ€chlich so besonnen sei, wie Kritias behauptet hat, oder ob ihm in dieser Hinsicht noch etwas fehle. Damit bringt er Charmides, der weder ein anstöĂiges Selbstlob vorbringen noch sich selbst tadeln und Kritias widersprechen will, in Verlegenheit. Die beiden beschlieĂen, die Frage gemeinsam zu untersuchen.cite-ref-10[10]
ZunĂ€chst legt Sokrates dar, dass man von einem Besonnenen erwarten könne, dass er sich seiner Besonnenheit bewusst sei und somit auch angeben könne, worin sie bestehe. Charmides meint, Besonnenheit Ă€uĂere sich darin, dass man alles auf geordnete und bedĂ€chtige, ruhige Weise ausfĂŒhre. Dagegen wendet Sokrates ein, in vielen Bereichen sei ein schnelles, behĂ€ndes Vorgehen einem langsamen ĂŒberlegen, sowohl bei LeibesĂŒbungen als auch bei geistigen BetĂ€tigungen. Die Besonnenheit mĂŒsse aber unter allen UmstĂ€nden etwas Schönes und Erstrebenswertes sein; daher dĂŒrfe man sie nicht mit etwas gleichsetzen, das in manchen FĂ€llen schlechter sei als sein Gegenteil. Charmides sieht dies ein und muss nun einen neuen Ansatz finden. Ihm fĂ€llt ein, dass Besonnenheit als Eigenschaft gilt, die den Menschen bescheiden macht. Diese Ăberlegung bringt ihn zu seinem zweiten Definitionsvorschlag: Er setzt nun Besonnenheit mit âSchamgefĂŒhlâ (aidáčs) â bescheidener ZurĂŒckhaltung â gleich. Doch auch dieser Versuch scheitert. Sokrates erinnert daran, dass bereits Einvernehmen darĂŒber erzielt wurde, dass die Besonnenheit etwas VorzĂŒgliches ist. Demnach ist sie eine schlechthin gute Eigenschaft, die ihren TrĂ€ger notwendigerweise stets gut macht. Das trifft aber, wie Sokrates darlegt, auf das SchamgefĂŒhl nicht zu, denn es gibt auch Situationen, in denen bescheidene ZurĂŒckhaltung unangebracht und somit schlecht ist. Die Bescheidenheit oder Schamhaftigkeit ist ebenso wie die BedĂ€chtigkeit keine Tugend, sondern erweist sich als wertneutral.cite-ref-11[11]
Darauf unternimmt Charmides einen dritten Versuch mit einem Spruch, den er von irgendjemandem gehört habe. Dem Spruch zufolge ist der besonnen, der âdas Seinigeâ tut. Sokrates gibt sich zunĂ€chst beeindruckt; er Ă€uĂert die Vermutung, der Spruch stamme von Kritias oder einem anderen âWeisenâ. Kritias bestreitet sogleich, der Urheber zu sein. Dem Leser wird indirekt zu verstehen gegeben, dass Charmides den Spruch von seinem Vormund ĂŒbernommen hat und dass Kritias den Gedanken gegenĂŒber dem Knaben als eigene Erkenntnis ausgegeben hat, obwohl er ihn in Wirklichkeit Sokrates verdankte. Diese Angeberei will Kritias nun vor Sokrates vertuschen.cite-ref-12[12] Darauf wendet sich Sokrates der inhaltlichen PrĂŒfung zu, und dabei erweist sich die zunĂ€chst klug wirkende Bestimmung der Besonnenheit als problematisch. Niemand tut nur âdas Seineâ in dem Sinne, dass er völlig autark ist, sich ausschlieĂlich um seine eigenen Angelegenheiten kĂŒmmert und sich mit allem Benötigten selbst versorgt. Solche SelbstgenĂŒgsamkeit und damit die Abschaffung der sozialen Arbeitsteilung kann nicht das Ziel einer guten Gesetzgebung und Staatsverwaltung sein. Darin kann politische Besonnenheit nicht bestehen. Daher bezeichnet Sokrates den Spruch als rĂ€tselhaft; er sei zwar sinnvoll, sein Urheber sei offenbar nicht einfĂ€ltig, doch mĂŒsse man den verborgenen Sinn erst entdecken. Es komme darauf an zu verstehen, was mit âdem Seinigenâ gemeint sei.cite-ref-13[13]
Die zweite GesprÀchsphase
Inzwischen ist Kritias ungeduldig geworden und hat seinen Ehrgeiz nur mit MĂŒhe zĂŒgeln können. Nach dem dritten vergeblichen Versuch des Charmides greift er in die Debatte ein, deren restlicher Teil sich zwischen ihm und Sokrates abspielt. Kritias ĂŒbernimmt die Verteidigung und ErlĂ€uterung des rĂ€tselhaften Spruchs. Er versteht unter dem âSeinigenâ, auf das man sich beschrĂ€nken soll, das Wertvolle und NĂŒtzliche. Die Besonnenheit bestehe im Tun des Guten. Dagegen bringt Sokrates vor, man könne auch etwas NĂŒtzliches vollbringen, ohne es zu verstehen. Beispielsweise könne ein Arzt einen Patienten heilen, ohne die Wirkung seines Handelns zu begreifen und ohne vorher zu wissen, ob der Patient auf die Therapie ansprechen werde oder nicht. Das ist fĂŒr Sokrates aber keine Besonnenheit, denn der Besonnene muss sich ĂŒber sein Tun und dessen Folgen völlig im Klaren sein. Besonnen ist nur der Einsichtige, dem seine Einsichtigkeit klar ist.cite-ref-14[14] Auch Kritias hĂ€lt es fĂŒr ein Merkmal der Besonnenheit, dass man sein eigenes richtiges Handeln versteht, also den Grund von dessen Richtigkeit kennt. Daher muss Kritias die UnzulĂ€nglichkeit seiner Begriffsbestimmung einrĂ€umen.cite-ref-15[15]
Darauf unternimmt Kritias einen neuen Versuch: Er setzt nun Besonnenheit mit Selbstkenntnis (nicht Selbsterkenntnis als Akt) gleich.cite-ref-16[16] Dabei beruft er sich auf den berĂŒhmten Spruch âErkenne dich selbst!â (griechisch ÎÎœáż¶ÎžÎč ÏΔαÏ
ÏÏΜ Gnáčthi seautĂłn) am Apollontempel von Delphi. Das sei der GruĂ des Gottes an die Tempelbesucher. Er sei besser als das âSei vergnĂŒgt!â (ΧαáżÏΔ ChaĂre), der ĂŒbliche GruĂ der Griechen, denn Selbstkenntnis oder Besonnenheit sei wĂŒnschenswerter als Freude. Darauf erwidert Sokrates, wenn Besonnenheit eine Kenntnis sei, dann mĂŒsse sie ein bestimmtes Wissen sein, ein Wissen von etwas, so wie die Medizin ein Wissen vom Gesunden sei. Die Gesundheit sei das wertvolle Produkt des medizinischen Wissens, ein Haus das wertvolle Produkt der Sachkenntnis des Architekten. Analog mĂŒsse Kritias fĂŒr die Besonnenheit angeben können, was ihr Produkt sei. Dagegen wendet Kritias ein, der Vergleich sei unangemessen, denn die Besonnenheit sei keine spezielle, sondern eine umfassende Kenntnis. Darin gleiche sie der Mathematik, die auch nicht wie ein Handwerk oder eine Kunst ein sichtbares Produkt hervorbringe. Sokrates gibt dies zu, ist aber damit nicht zufrieden, denn die Frage, was der Gegenstand der als Kenntnis oder Wissen definierten Besonnenheit ist, bleibt dabei ungeklĂ€rt. Kritias greift diese Frage auf und erklĂ€rt, die Besonnenheit unterscheide sich gerade dadurch fundamental von allen anderen Arten des Wissens, dass sie sich nicht auf einen einzelnen von ihr verschiedenen Gegenstand beschrĂ€nke. Vielmehr beziehe sie sich sowohl auf alle sonstigen Wissensbereiche als auch auf sich selbst. Sie sei Kenntnis ihrer selbst und zugleich aller ĂŒbrigen Kenntnisse. Nicht nur das Wissen, sondern auch sein Gegenteil, die Unwissenheit, sei Gegenstand solcher Kenntnis. Nach diesem VerstĂ€ndnis kennt der Besonnene den Umfang und die Grenzen seines eigenen Wissens und ist auch in der Lage herauszufinden, was andere tatsĂ€chlich wissen und was nicht.cite-ref-17[17]
Sokrates erlĂ€utert die Schwierigkeiten, die sich aus dieser Bestimmung der Besonnenheit ergeben. Die erste Frage, die sich jetzt stellt, lautet, ob es ĂŒberhaupt möglich ist, von dem, was man weiĂ und nicht weiĂ, zu wissen, dass man es weiĂ bzw. nicht weiĂ. Falls diese Frage bejaht wird, ist sodann zu fragen, worin der Wert eines derartigen Wissens besteht. Sokrates erklĂ€rt sich diesbezĂŒglich fĂŒr unwissend; er sei mit seinen Ăberlegungen in eine ausweglos scheinende Lage geraten. Die Vorstellung eines Wissens, das sowohl sich selbst und seine Grenzen als auch fremdes Wissen und Nichtwissen zum Gegenstand hat, kommt ihm problematisch vor, denn er hat nichts in der Welt gefunden, dem ein analoger Gegenstandsbereich zugeordnet ist; nichts scheint ihm selbstbezĂŒglich und zugleich auf anderes bezogen zu sein. Wahrnehmungen, Impulse, Willensakte und GefĂŒhle richten sich immer auf konkrete Objekte, niemals auf sich selbst. Beispielsweise bezieht sich Furcht immer auf etwas Furchterregendes, nicht auf sich selbst und auf die Furcht anderer. Es gibt auch keine Meinung, die sich sowohl auf andere Meinungen als auch auf sich selbst bezieht, aber nichts von dem, worauf sich die sonstigen Meinungen beziehen, zum Gegenstand hat. Anhand einer Reihe von Beispielen illustriert Sokrates die Probleme, die sich bei der Annahme von etwas SelbstbezĂŒglichem stellen. Diese Annahme setzt voraus, dass das SelbstbezĂŒgliche selbst die QualitĂ€t seines Objekts aufweist. Das Gehör hört Töne; um sich selbst zu hören, mĂŒsste es einen eigenen Ton haben. Das Sehen nimmt Farben wahr; um sich selbst zu sehen, mĂŒsste es eine eigene Farbe aufweisen. Wie ein Wissen diese Voraussetzung der SelbstbezĂŒglichkeit erfĂŒllen könnte, ist fĂŒr Sokrates völlig unklar. Er sieht nicht, wie man herausfinden könnte, ob so etwas ĂŒberhaupt irgendwo vorkommt und gegebenenfalls in welchen FĂ€llen. Auch Kritias ist ratlos.cite-ref-18[18]
Die KlĂ€rung der Existenz von SelbstbezĂŒglichem muss somit beiseitegelassen werden. Darauf wendet sich die Diskussion der hypothetischen Frage zu, welchen Inhalt und Nutzen ein selbstbezĂŒgliches Wissen im Sinne der vorgeschlagenen Besonnenheitsdefinition haben kann, falls es existiert. Nach den AusfĂŒhrungen des Sokrates, die Kritias als schlĂŒssig anerkennt, ermöglicht Besonnenheit keine begrĂŒndeten Urteile ĂŒber Konkretes, wenn sie eine nur auf Wissen als solches und nicht auf dessen jeweiligen konkreten Gegenstand bezogene Kenntnis ist. Mit einem selbstbezĂŒglichen Wissen lĂ€sst sich nur feststellen, dass jemand ein Wissen hat oder nicht hat, nicht aber, was er weiĂ. Das jeweilige spezielle Wissen kann auf diesem Weg nicht inhaltlich ermittelt werden. Beispielsweise kann man mittels der Besonnenheit nicht prĂŒfen, wofĂŒr ein bestimmter Arzt qualifiziert ist. Dazu wĂ€re eine eigene medizinische Kompetenz des PrĂŒfenden erforderlich, und die hat mit der Besonnenheit nichts zu tun. Hieraus scheint sich die Folgerung zu ergeben, dass Besonnenheit keinen Nutzen fĂŒr die LebensfĂŒhrung hat. Anscheinend verhilft sie dem Menschen nicht dazu, dass es ihm gut geht und er glĂŒcklich ist. Somit lĂ€sst sich nicht zeigen, dass die als Wissen vom Wissen aufgefasste Besonnenheit fĂŒr den Menschen ein Gut ist. Es entsteht der Verdacht, dass sie ĂŒberschĂ€tzt wird.cite-ref-19[19]
Im nĂ€chsten Gedankengang wird erneut geprĂŒft, worin gegebenenfalls der Nutzen eines selbstbezĂŒglichen Wissens bestehen kann. Sokrates erzĂ€hlt von einem âTraumâ, von seiner Vision einer Gesellschaft, in der die Besonnenheit herrscht. Da dort jeder ĂŒber das Wissen vom Wissen verfĂŒgt, kann niemand eine FĂ€higkeit vortĂ€uschen, die er nicht hat. Jede solche TĂ€uschung wĂŒrde durchschaut. Niemand wĂŒrde etwas tun, das seine Kompetenz ĂŒbersteigt; nur sachverstĂ€ndiges Handeln wĂ€re möglich.cite-ref-20[20]
Hier stellt sich aber fĂŒr Sokrates die Frage, ob ein solches von der Besonnenheit gelenktes Leben auch gut und glĂŒcklich wĂ€re. Die beiden GesprĂ€chspartner sind ĂŒbereinstimmend der Ansicht, dass nicht jede Erkenntnis zu einem guten Leben verhelfen kann. Weder technisches Wissen noch eine umfassende Kenntnis vergangener, gegenwĂ€rtiger und zukĂŒnftiger VerhĂ€ltnisse fĂŒhrt zur Eudaimonie, zu einem gelungenen Leben, das mit Wohlbefinden oder GlĂŒckseligkeit verbunden ist. DafĂŒr ist vielmehr, wie Kritias auf Befragen des Sokrates feststellt, nur eine Kenntnis nötig: die des Guten und des Schlechten. Diese macht aber nicht die Besonnenheit aus, sondern zĂ€hlt zu den nĂŒtzlichen Kenntnissen, also zu einer anderen Kategorie von Wissen. Damit erhebt sich erneut die schon zuvor angesprochene Frage, ob die Besonnenheit selbst auch einen Nutzen hat und worin ihr Sinn und Zweck bestehen kann. Wenn sie Kenntnis der Kenntnisse ist, mĂŒsste sie â wie Kritias feststellt â den nĂŒtzlichen Kenntnissen ĂŒbergeordnet sein, also auch dem Wissen vom Guten und vom Schlechten, und dadurch wenigstens indirekt nĂŒtzlich sein. Es gelingt Kritias aber nicht, einen konkreten Nutzen der Kenntnis der Kenntnisse zu benennen. Er muss zugeben, dass sie weder den Menschen glĂŒcklich macht noch ihm wie ein Handwerk oder eine Technik einen handfesten Vorteil verschafft. Demnach scheint sie nutzlos zu sein. Sokrates zieht Bilanz: Weder ist es gelungen herauszufinden, was man unter Besonnenheit zu verstehen hat, noch konnte ein Nutzen des hypothetisch angenommenen selbstbezĂŒglichen Wissens entdeckt werden.cite-ref-21[21]
AbschlieĂend wendet sich Sokrates wieder an Charmides, der aus dem enttĂ€uschenden Ausgang der BemĂŒhung um philosophische Erkenntnis falsche Konsequenzen ziehen könnte. Das sehr unbefriedigende Ergebnis des Dialogs bedeute nicht, dass Besonnenheit tatsĂ€chlich wertlos sei. Vielmehr sei der Fehlschlag nur darauf zurĂŒckzufĂŒhren, dass er, Sokrates, nicht ĂŒber den zur KlĂ€rung der Frage benötigten Scharfsinn verfĂŒge. Daher solle sich Charmides nicht beirren lassen. Vielmehr solle er sich glĂŒcklich schĂ€tzen, wenn er ĂŒber Besonnenheit verfĂŒge. Charmides ist nun hinsichtlich der Besonnenheit verwirrt, denn er weiĂ nicht, was sie sei und ob er sie besitze oder nicht. Er glaubt aber nicht, dass Sokrates so unwissend ist, wie er sich gibt, und entscheidet sich, sein SchĂŒler zu werden und in tĂ€glichem Zusammensein von ihm zu lernen.cite-ref-22[22]
Interpretation
Die modernen Diskussionen drehen sich â wie oft bei der Interpretation von Dialogen Platons â insbesondere um die Frage nach der eigenen Position des Autors. Diese entspricht nach der herrschenden Forschungsmeinung in der Regel der Auffassung seiner Dialogfigur Sokrates. Im vorliegenden Fall fĂ€llt aber auf, dass Annahmen, die Platon in anderen Werken wie der Apologie von Sokrates vertreten lĂ€sst und denen er offenbar selbst zustimmt, im Charmides anscheinend kritisiert werden und als zweifelhaft, problematisch oder falsch erscheinen. Im Charmides lautet die Position des Sokrates, man könne auf einem Gebiet, auf dem man selbst ohne Sachkenntnis sei, die Kompetenz anderer nicht beurteilen. Ebendies ist aber nach der Darstellung in anderen Werken Platons die Gepflogenheit des Sokrates: Er bezeichnet sich selbst als unwissend, ist aber in der Lage, die Unwissenheit anderer zu erkennen und so zu entlarven, dass sie auch fĂŒr andere erkennbar wird.cite-ref-23[23]
Zur ErklĂ€rung dieses scheinbaren oder tatsĂ€chlichen Widerspruchs werden in der Forschung unterschiedliche Wege beschritten. Nach der Interpretation von John Stuart Mill ist der Charmides nur eine dialektische Ăbung, in der manche Thesen verworfen werden, die aber zu keiner Entscheidung fĂŒr eine bestimmte Position fĂŒhrt.cite-ref-24[24] Eine andere Hypothese lautet, Platon habe die UnzulĂ€nglichkeit der sokratischen Methode fĂŒr die KlĂ€rung derartiger Fragen demonstrieren wollen. Damit habe er sich von der Vorgehensweise seines Lehrers distanziert oder zumindest deren LeistungsfĂ€higkeit relativiert. Er sei zum Ergebnis gelangt, dass die Art von Einsicht, die im Rahmen einer sokratischen Untersuchung erreichbar sei, zur Lösung der zentralen Aufgabe der Philosophie untauglich sei: Mit ihr könne man nicht zu dem Wissen vordringen, das die Tugend â hier die Besonnenheit â erfasse, deren Besitz gewĂ€hrleiste und den Menschen glĂŒcklich mache. Zur Lösung dieser Aufgabe sei somit ein anderer, nichtsokratischer Weg erforderlich, den Platon als seine eigene Entdeckung beanspruche. Diese Deutung ist umstritten. Gegen sie wird vorgebracht, die Kritik an einem bestimmten Konzept einer Metawissenschaft im Charmides treffe nicht die sokratische Methode der Erkenntnissuche durch kritische PrĂŒfung von DefinitionsvorschlĂ€gen (Elenchos), sondern nur eine unrealistische Vorstellung des Kritias ĂŒber die Aufgabe einer Metawissenschaft. Nur Urteile ĂŒber technische Kompetenz seien von der Kritik betroffen, nicht die PrĂŒfungen ethischen Wissens, mit denen sich Sokrates befasse.cite-ref-25[25] Hugh H. Benson meint, die Argumentation im Charmides stelle nur fĂŒr einen Teil der philosophischen TĂ€tigkeit des platonischen Sokrates gemÀà der Apologie ein Problem dar. Die Möglichkeit, sich der eigenen Unwissenheit bewusst zu werden und trotz ihr auch fremde Unwissenheit zu erkennen, bleibe intakt, und dies sei nach der Darstellung in Platons frĂŒhen Werken der Hauptteil der Lebensaufgabe des Sokrates. Bestritten werde im Charmides nur die Möglichkeit, bei eigener Ignoranz fremde Kompetenz zu erkennen. Damit werde die FĂ€higkeit eines unwissenden SchĂŒlers, die Qualifikation eines Lehrers zu beurteilen und rational zu entscheiden, ob er sich ihm anschlieĂen sollte, in Frage gestellt.cite-ref-26[26] Gabriela Roxana Carone sieht in der Argumentation des Charmides keine ernsthafte Gefahr fĂŒr das sokratische Projekt, eine begrenzte âmenschliche Weisheitâ gemÀà der Beschreibung in der Apologie zu erlangen.cite-ref-27[27] Charles H. Kahn prĂŒft die Frage des Metawissens anhand der vier möglichen FĂ€lle: X weiĂ, dass er das Wissen ĂŒber F besitzt; X weiĂ, dass er das Wissen ĂŒber F nicht besitzt; X weiĂ, dass Y das Wissen ĂŒber F besitzt; X weiĂ, dass Y das Wissen ĂŒber F nicht besitzt. Kahn hĂ€lt die Argumentation des Sokrates gegen die Möglichkeit der beiden letztgenannten FĂ€lle, wenn X jeweils unwissend ist, fĂŒr ĂŒberzeugend. Er sieht darin einen gravierenden Einwand gegen die in der Apologie beschriebene sokratische Untersuchungsmethode. FĂŒr Kahn liegt die Lösung in der Annahme, die Unwissenheit des Sokrates bestehe nicht tatsĂ€chlich, sondern werde von ihm nur aus didaktischem Grund vorgetĂ€uscht. In Wirklichkeit besitze Sokrates das Wissen ĂŒber die jeweils erörterten Themen und damit auch die Kompetenz, fremde WissensansprĂŒche zu prĂŒfen.cite-ref-28[28]
Wie bei den anderen âaporetischenâ â in einer Ratlosigkeit endenden â Dialogen bleibt offen, ob Platon die ungeklĂ€rten Probleme fĂŒr lösbar hielt und ob er selbst ĂŒber einen Lösungsansatz verfĂŒgte, den er den Lesern vorenthielt, um sie zu eigenen BemĂŒhungen anzuregen. Eine aus seiner Sicht befriedigende Lösung könnte er im Rahmen seiner Ideenlehre gefunden haben.cite-ref-29[29] Kontrovers diskutiert wird insbesondere die Frage, ob Platon ein Wissen, das sich selbst sowie fremdes Wissen zum Gegenstand hat, fĂŒr möglich und gegebenenfalls fĂŒr nĂŒtzlich hielt. Bejaht wird sie u. a. von Paul Natorp, Michael Erler und Gerhard MĂŒller,cite-ref-30[30] verneint u. a. von Joachim Adamietz, Bernd Effe und Oded Balaban.cite-ref-31[31] Ekkehard Martens meint, Platon habe den Anspruch der Sophisten auf ein autarkes selbstbezĂŒgliches Wissen zurĂŒckweisen wollen, ohne damit ein selbstbezĂŒgliches Wissen des Menschen grundsĂ€tzlich auszuschlieĂen; die Möglichkeit dazu â etwa als Teilhabe am selbstbezĂŒglichen Wissen Gottes â lasse er im Charmides offen. Beim aporetischen Ausgang des Dialogs handle es sich um bloĂe Scheinaporien.cite-ref-32[32]
Vasilis Politis weist darauf hin, dass Platons Sokrates in diesem Dialog sowohl fĂŒr als auch gegen die Möglichkeit und den Nutzen eines selbstbezĂŒglichen Wissens argumentiere. Darin liege kein Widerspruch, da die Argumentation gegen ein reflexives Wissen von einer bestimmten Annahme ĂŒber dessen Gegenstand ausgehe, nĂ€mlich dass dieser ausschlieĂlich in Wissen und Unwissenheit bestehe; in der Argumentation zugunsten des selbstbezĂŒglichen Wissens hingegen fehle eine Festlegung auf solche AusschlieĂlichkeit. Daher fĂŒhre nur der erstgenannte Ansatz in die Aporie, wĂ€hrend der zweite den Ausweg biete. Die Lösung, die Platon im Sinn habe, laute, dass das selbstbezĂŒgliche Wissen nicht nur reflexiv sei, sondern daneben auch andere Objekte habe, zu denen das Gute und das Ăbel gehörten. Damit wendet sich Politis gegen eine von manchen Philosophiehistorikern vertretene Interpretation, der zufolge Platon zeigen wollte, dass ein selbstbezĂŒgliches Wissen entweder unmöglich oder, falls doch möglich, nutzlos sei und daher fĂŒr die Definition der Besonnenheit nicht in Betracht komme; die Besonnenheit mĂŒsse vielmehr als das Wissen ĂŒber das Gute und das Ăbel bestimmt werden. Politis vermutet, Platons Sokrates habe seine Lösung in dem Dialog nicht vortragen können, da er dann hĂ€tte zeigen mĂŒssen, dass das reflexive Wissen zwar mehrere Objekte habe, aber dennoch ein einheitliches Wissen und nicht eine Zusammensetzung von zwei unabhĂ€ngigen Wissensarten sei. Diese schwierige Aufgabe anzugehen hĂ€tte den Rahmen des Dialogs gesprengt.cite-ref-33[33]
Ein weiteres in der Forschungsliteratur erörtertes Thema ist das Ende des Dialogs: Charmides verkĂŒndet emphatisch, er wolle nun unbedingt ein SchĂŒler des Sokrates werden, obwohl dieser sich zuvor wegen des unbefriedigenden Ausgangs der Untersuchung selbst als schlechten Forscher bezeichnet hat. Von dem kĂŒnftigen Unterricht verspricht sich Charmides viel, und Kritias bestĂ€rkt ihn darin.cite-ref-34[34] Thomas Alexander SzlezĂĄk sieht hier einen Hinweis auf die âSchriftkritikâ Platons, seine Ablehnung der schriftlichen Mitteilung bestimmter besonders anspruchsvoller philosophischer Inhalte. Der Charmides habe ohne Lösung enden mĂŒssen, da Platon das entscheidende Wissen nicht habe schriftlich verbreiten wollen. Dieses Wissen sei mĂŒndlicher Weitergabe an qualifizierte SchĂŒler vorbehalten geblieben. Daher lasse Platon am Ende des Dialogs Charmides in ein SchĂŒlerverhĂ€ltnis zu Sokrates eintreten. Die Diskussion habe nur den Zweck gehabt, die Qualifikation des Charmides fĂŒr eine philosophische Schulung zu prĂŒfen.cite-ref-35[35]
Politischer Hintergrund
AuffĂ€llig ist, dass Platon als Hauptfiguren neben Sokrates zwei damals sehr unpopulĂ€re Gestalten wĂ€hlte, Charmides und Kritias. Beide waren zur Abfassungszeit des Dialogs im demokratisch regierten Athen völlig diskreditiert, da ihre antidemokratische Politik zu einem BĂŒrgerkrieg gefĂŒhrt hatte und schlieĂlich katastrophal gescheitert war. Sie hatten 404â403 v. Chr., ein Vierteljahrhundert nach der Handlungszeit des Dialogs, als namhafte oligarchische Politiker an der kurzzeitigen Schreckensherrschaft der DreiĂig teilgenommen und waren dann im Kampf gegen die siegreichen demokratischen KrĂ€fte gefallen. Diese Ereignisse prĂ€gten ihr Bild in der Folgezeit. Die âdreiĂig Tyrannenâ blieben der Nachwelt als brutale Gewaltherrscher in Erinnerung. Chairephon hingegen, die vierte, meist stumme Figur im Charmides, war Demokrat. Die Bedeutung des blutigen Konflikts zwischen Oligarchen und Demokraten als Hintergrund der Dialoghandlung wird in der Forschungsliteratur oft hervorgehoben. Walter Thomas Schmid weist darauf hin, dass die im Charmides gepriesene Besonnenheit vor allem in konservativen, aristokratischen Kreisen Athens geschĂ€tzt wurde. In diesem Milieu bewunderte man die undemokratische spartanische Staats- und Gesellschaftsordnung und beurteilte die radikal demokratische Verfassung der eigenen Heimatstadt abschĂ€tzig. Die reine Volksherrschaft der Gegenwart wurde als Abweichung von der bewĂ€hrten Staatsordnung einer idealisierten Vergangenheit missbilligt. Aristokratisch gesinnte Angehörige der Athener Oberschicht betonten die Wichtigkeit einer besonnenen Staatslenkung. Sie brachten die konsequent verwirklichte Volksherrschaft mit UnmĂ€Ăigkeit und Unbesonnenheit in Zusammenhang, da weitreichende Entscheidungen von stimmungsabhĂ€ngigen Zufallsmehrheiten in den Volksversammlungen getroffen wurden. Chairephon, ein entschiedener AnhĂ€nger der athenischen Demokratie, wird im Charmides als impulsiv dargestellt, was diesem Bild entspricht. Auch in der Ă€uĂerst konservativen spartanischen Gesellschaft stand die Besonnenheit hoch im Kurs. Der historische Kritias profilierte sich besonders durch seine Verherrlichung der spartanischen VerhĂ€ltnisse. Seine antidemokratische Gesinnung schloss fĂŒr ihn unter normalen Bedingungen eine politische Karriere in seiner Heimatstadt aus; nur durch einen Umsturz konnte er Gestaltungsmacht gewinnen.cite-ref-36[36]
Generell galt die Besonnenheit in Athen zwar als Tugend, doch gab es auch gewisse Vorbehalte gegen sie. Verbreitet war die EinschĂ€tzung, dass sie gegenĂŒber der Tapferkeit und dem Patriotismus zweitrangig sei und nicht unbedingt zu den QualitĂ€ten eines tĂŒchtigen Kriegers gehöre.cite-ref-37[37]
Das Besonnenheitskonzept, das Kritias im Charmides vertritt, wird in der Forschung vor dem Hintergrund der politischen Entwicklungen von 404â403 v. Chr. betrachtet. Es wird als Aspekt seiner oligarchischen Gesinnung und seines Machtstrebens interpretiert.cite-ref-38[38] FĂŒr Kritias sind die âBesonnenenâ eine aristokratische Elite, die aufgrund ihrer Vernunft zur Herrschaft ĂŒber die Masse der Unbesonnenen qualifiziert ist. Sein Interesse am Thema des Dialogs beruht vor allem darauf, dass es ihm Gelegenheit zur Legitimation des oligarchischen Herrschaftsanspruchs bietet. Platons Absicht war es insbesondere, den Unterschied zwischen der Haltung des Sokrates und der des Kritias herauszuarbeiten und dem Leser die FragwĂŒrdigkeit von Kritiasâ Kompetenzanspruch vor Augen zu stellen. Damit wollte er zugleich den Vorwurf zurĂŒckweisen, Sokrates habe einst Kritias und Charmides beeinflusst und trage damit eine Mitschuld an deren spĂ€terem verhĂ€ngnisvollem Wirken.cite-ref-39[39]
Unterschiedlich interpretiert wird in der Forschung der Umstand, dass Platon die beiden in Athen verhassten Oligarchen in einem angeregten philosophischen GesprĂ€ch mit Sokrates in freundschaftlicher AtmosphĂ€re prĂ€sentierte und jede direkte Anspielung auf ihre spĂ€tere politische Rolle vermied. Einer Hypothese zufolge wollte er dem Leser damit signalisieren, dass die beiden in dieser frĂŒhen Zeit einen relativ anstĂ€ndigen Eindruck gemacht hĂ€tten und dass nicht alle von Kritias vertretenen Werte â speziell das konservative Besonnenheitsideal â pauschal diskreditiert seien. Möglicherweise ging es dabei um die Abwehr von Beschuldigungen, die sich nicht nur gegen Sokrates, sondern auch gegen Platon selbst richteten: Sein familiĂ€rer Zusammenhang mit den beiden Oligarchen und seine skeptische Haltung zur demokratischen Verfassung Athens setzten ihn dem Verdacht aus, mit der Oligarchie zu sympathisieren.cite-ref-40[40]
Entstehung
Unstrittig ist, dass der Charmides zu einer Gruppe von frĂŒhen Dialogen Platons gehört, fĂŒr die charakteristisch ist, dass sie in eine Aporie â eine ausweglos scheinende Lage â fĂŒhren. In der Ă€lteren Forschung galt er als eines der ersten Werke des Philosophen und wurde in die 390er Jahre v. Chr. datiert, doch in neuerer Zeit hat sich eine etwas spĂ€tere Einordnung durchgesetzt: entweder gegen Ende der ersten der drei Phasen, in die Platons schriftstellerisches Wirken gewöhnlich eingeteilt wird, oder zu Beginn der zweiten, mittleren Phase. In Betracht kommen in erster Linie die 380er Jahre v. Chr. Das Gedankengut scheint schon auf den reifen Platonismus der mittleren Schaffenszeit des Philosophen hinzuweisen. Manche Aussagen lassen sich nur durch einen Vorgriff auf AusfĂŒhrungen in spĂ€teren Werken befriedigend erklĂ€ren.cite-ref-41[41]
Rezeption
Antike und Mittelalter
In der Antike fand der Charmides relativ wenig Beachtung. In der Tetralogienordnung der Werke Platons, die anscheinend im 1. Jahrhundert v. Chr. eingefĂŒhrt wurde, gehört er zur fĂŒnften Tetralogie. Der Philosophiegeschichtsschreiber Diogenes Laertios zĂ€hlte ihn zu den âprĂŒfendenâ Schriften und gab als Alternativtitel Ăber die Besonnenheit an. Dabei berief er sich auf eine heute verlorene Schrift des Mittelplatonikers Thrasyllos.cite-ref-42[42]
Antike Papyri sind nicht erhalten, die handschriftliche Ăberlieferung setzt erst im 9. Jahrhundert ein. Die TextĂŒberlieferung basiert auf vier Textzeugen aus dem Zeitraum vom 9. bis zum 13. Jahrhundert; alle anderen Handschriften sind Kopien, die von diesen vier abhĂ€ngen.cite-ref-44[44] Die Ă€lteste erhaltene Handschrift wurde im Jahr 895 im Byzantinischen Reich fĂŒr Arethas von Caesarea angefertigt.cite-ref-45[45] Im Westen war der Charmides in der lateinischsprachigen Gelehrtenwelt des Mittelalters unbekannt.
FrĂŒhe Neuzeit
Im Zeitalter des Renaissance-Humanismus wurde der Charmides wiederentdeckt. Der Humanist Marsilio Ficino ĂŒbersetzte ihn ins Lateinische und machte ihn damit einem breiteren Lesepublikum zugĂ€nglich. Dabei lieĂ er eine explizit sexuelle Passage weg, da er seinen Zeitgenossen die FĂ€higkeit nicht zutraute, solche Stellen â wie er es fĂŒr richtig hielt â allegorisch zu deuten.cite-ref-46[46] Die Ăbersetzung veröffentlichte er 1484 in Florenz in der Gesamtausgabe seiner lateinischen Platon-Ăbersetzungen.cite-ref-47[47] Auch Angelo Poliziano nahm eine lateinische Ăbersetzung in Angriff, die in den 1470er Jahren begonnen wurde, aber anscheinend unvollendet blieb; das Fragment aus seinem Nachlass wurde 1498 gedruckt.cite-ref-48[48] Eine dritte Ăbersetzung stammt von dem Humanisten Janus Cornarius; sie wurde 1561 in einer lateinischen Gesamtausgabe der Werke Platons in Basel publiziert.cite-ref-49[49]
Die Erstausgabe des griechischen Textes erschien im September 1513 in Venedig bei Aldo Manuzio als Teil der ersten Gesamtausgabe der Werke Platons in der Originalsprache. Der Herausgeber war Markos Musuros. Es folgten zwei Drucke in Basel 1534 und 1556.
Moderne
Platons Autorschaft wurde im 19. und im frĂŒhen 20. Jahrhundert vereinzelt bestritten, insbesondere von Eduard Zeller.cite-ref-50[50] Heute gilt sie wie schon in der Antike als sicher. Die literarische QualitĂ€t wird im Allgemeinen hoch eingeschĂ€tzt. Michael Erler findet Komposition, Charakterzeichnung und sprachliche Gestaltung bewundernswert, den Inhalt jedoch irritierend.cite-ref-51[51] Ernst Heitsch urteilt, Platon habe ein sprachliches Kunstwerk geschaffen, in dem sich die Eleganz und Heiterkeit des GesprĂ€chs vor dem Hintergrund der damaligen kriegerischen Auseinandersetzungen entwickle. Alles sei mit gewinnender NatĂŒrlichkeit dargestellt und der Autor behalte auch die formale Seite seiner ausgewogenen Komposition im Auge.cite-ref-52[52]
Der philosophische Gehalt wird insbesondere unter dem Gesichtspunkt seines VerhĂ€ltnisses zu modernen Konzepten beurteilt. Dabei geht es um die Problematik der Reflexion und des Selbstbewusstseins. Manche Forscher interpretieren die Erörterung des selbstbezĂŒglichen Wissens im Charmides als Diskussionsbeitrag zur Bewusstseinsproblematik, andere bestreiten jeden Zusammenhang mit der Bewusstseinsfrage. Die BefĂŒrworter der ersteren Deutung sind untereinander verschiedener Meinung hinsichtlich der Frage, ob Platon der These, das Seiende grĂŒnde im Bewusstsein, zugestimmt oder sie verworfen hat.cite-ref-53[53]
Der Philosoph Klaus Oehler befand 1962, im Charmides werde ein philosophisches Problem erster Ordnung formuliert und dann wieder fallengelassen: die Frage, ob es ein Wissen des Wissens gebe. Damit werde das Problem des Selbstbewusstseins angesprochen. Was hier in den Blick komme, sei âgenau das, was das moderne WeltverstĂ€ndnis konstituiert: die sich selbst und die Welt autonom begrĂŒndende SubjektivitĂ€tâ.cite-ref-54[54] Gegen diese Sichtweise wandte sich 1974 Theodor Ebert. Nach seiner Ansicht bleiben Interpreten, die Platons âWissen des Wissensâ als Umschreibung fĂŒr das Wesen des Selbstbewusstseins betrachten, einem historisch unangemessenen Problemhorizont verhaftet. Die Diskussion des Charmides werde unzulĂ€ssigerweise âunter die Kategorien einer Problemstellung des Deutschen Idealismus gebrachtâ.cite-ref-55[55] Gerhart Schmidt lobte 1985 das hohe intellektuelle Niveau der Auseinandersetzung, das staunenswert sei. Er kam zu dem Ergebnis, dass in dem Dialog âdie Grundlage des gegenwĂ€rtigen Zeitaltersâ ins Spiel komme und dass âwir selbst die Geforderten sindâ. Das Werk sei ein frĂŒhes MeisterstĂŒck des Autors, der hier das Prinzip der SubjektivitĂ€t vorwegnehme, das erst die Philosophie der Neuzeit auf ihr Panier geschrieben habe.cite-ref-56[56] Karen Gloy wies 1986 dem Charmides eine SchlĂŒsselposition zu, weil dort erstmals in der Geschichte der abendlĂ€ndischen Philosophie eine umfassende und vielschichtige Konzeption des Selbstbewusstseins vorgelegt werde und die diversen Auslegungsmöglichkeiten mit ihren Schwierigkeiten durchgespielt wĂŒrden. Der Dialog bilde den Ausgang aller spĂ€teren TheorieansĂ€tze.cite-ref-57[57] Barbara Zehnpfennig verglich 1987 Platons Antwort auf die Frage nach einer konsistenten Erkenntnis und Erkenntnistheorie im Charmides mit derjenigen von Johann Gottlieb Fichte in dessen 1800 veröffentlichter Schrift Die Bestimmung des Menschen. Sie befand, Fichtes Ansatz sei die Grundlage der neuzeitlichen Bewusstseinstheorie, doch Platons Auseinandersetzung mit dem Problem sei ihr ĂŒberlegen, da sie âGrundstrukturen der in Fichte reprĂ€sentierten neuzeitlichen Bewusstseinsphilosophieâ vorwegnehme und widerlege. Platon zeige die Unhaltbarkeit der untersuchten Theorien des autonomen Wissens.cite-ref-58[58] Franz von Kutschera wĂŒrdigte 2002 eine Pionierleistung Platons, der im Charmides das Wissen als Relation aufgefasst und die Relation als fundamentale logische Kategorie eingefĂŒhrt habe. In dem Dialog seien âdie allerersten AnfĂ€nge der epistemischen Logik, der Logik des Wissensbegriffsâ zu finden. Damit reiche der Horizont der Erörterungen weit ĂŒber die Tugend der Besonnenheit hinaus. Platon habe hier erstmals den Begriff der Relation so allgemein gefasst, dass er Relationen verschiedenster Art umfasse.cite-ref-59[59] Ernst Heitsch konstatierte 2004, Platon habe als erster erkannt, dass ein Wissen, das unter der Alternative ârichtig oder falschâ stehe, nicht auf moralischem und politischem Feld zu richtigem Handeln qualifiziere, sondern wertneutral sei. Diese Einsicht gehe aus dem Charmides hervor; sie bilde eines von Platons bedeutendsten VermĂ€chtnissen an die Nachwelt.cite-ref-60[60]
Ausgaben und Ăbersetzungen
Ausgaben mit Ăbersetzung
âą Gunther Eigler (Hrsg.): Platon: Werke in acht BĂ€nden. Band 1, 4. Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN 3-534-19095-5, S. 287â349 (Abdruck der kritischen Ausgabe von Maurice Croiset, 4. Auflage, Paris 1956, mit der deutschen Ăbersetzung von Friedrich Schleiermacher, 2., verbesserte Auflage, Berlin 1818)
âą Ekkehard Martens (Hrsg.): Platon: Charmides. Reclam, Stuttgart 1977, ISBN 978-3-15-009861-5 (unkritische Ausgabe mit Ăbersetzung)
Ăbersetzungen
⹠Otto Apelt: Platons Dialoge Charmides, Lysis, Menexenos. In: Otto Apelt (Hrsg.): Platon: SÀmtliche Dialoge. Band 3, Meiner, Hamburg 2004, ISBN 3-7873-1156-4 (mit Einleitung und ErlÀuterungen; Nachdruck der 2., durchgesehenen Auflage, Leipzig 1922)
âą Ludwig Georgii: Charmides. In: Erich Loewenthal (Hrsg.): Platon: SĂ€mtliche Werke in drei BĂ€nden. Band 1, unverĂ€nderter Nachdruck der 8., durchgesehenen Auflage, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2004, ISBN 3-534-17918-8, S. 239â275
âą Rudolf Rufener: Platon: FrĂŒhdialoge (= JubilĂ€umsausgabe sĂ€mtlicher Werke, Band 1). Artemis, ZĂŒrich/MĂŒnchen 1974, ISBN 3-7608-3640-2, S. 41â80 (mit Einleitung von Olof Gigon)
Literatur
Ăbersichtsdarstellungen
âą Michael Erler: Platon (Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, hrsg. von Hellmut Flashar, Band 2/2). Schwabe, Basel 2007, ISBN 978-3-7965-2237-6, S. 104â109, 584â586
âą Franz von Kutschera: Platons Philosophie. Band 1, Mentis, Paderborn 2002, ISBN 3-89785-264-0, S. 169â189
Kommentare
âą Michael Erler: Der Sinn der Aporien in den Dialogen Platons. ĂbungsstĂŒcke zur Anleitung im philosophischen Denken. De Gruyter, Berlin 1987, ISBN 3-11-010704-X, S. 170â212
⹠Marie-France Hazebroucq: La folie humaine et ses remÚdes. Platon: Charmide ou De la modération. Vrin, Paris 1997, ISBN 2-7116-1297-X
âą Ernst Heitsch, Franz von Kutschera: Zu Platons Charmides. Franz Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07786-3
âą Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic. A Study of Platoâs Protagoras, Charmides, and Republic. University of Chicago Press, Chicago/London 2010, ISBN 978-0-226-47096-2, S. 145â240
Untersuchungen
âą Drew A. Hyland: The Virtue of Philosophy. An Interpretation of Platoâs Charmides. Ohio University Press, Athens (Ohio) 1981, ISBN 0-8214-0588-8
âą Gerhard MĂŒller: Philosophische Dialogkunst Platons (am Beispiel des Charmides). In: Museum Helveticum 33, 1976, S. 129â161
âą Walter Thomas Schmid: Platoâs Charmides and the Socratic Ideal of Rationality. State University of New York Press, Albany 1998, ISBN 0-7914-3763-9
âą Gerhart Schmidt: Platons Vernunftkritik oder die Doppelrolle des Sokrates im Dialog Charmides. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 1985, ISBN 3-88479-221-0
âą Young-Sik Sue: Selbsterkenntnis im Charmides. Ihre epistemologische und ethische Komponente im Zusammenhang mit der Entwicklung der Philosophie Platons. Königshausen & Neumann, WĂŒrzburg 2006, ISBN 3-8260-3006-0
âą Thomas M. Tuozzo: Platoâs Charmides. Positive Elenchus in a âSocraticâ Dialogue. Cambridge University Press, Cambridge 2011, ISBN 978-0-521-19040-4
âą Bernd Witte: Die Wissenschaft vom Guten und Bösen. Interpretationen zu Platons âCharmidesâ. De Gruyter, Berlin 1970
âą Raphael Woolf: Plato's Charmides. (Cambridge studies in the dialogues of Plato). Cambridge University Press, Cambridge, New York 2023. â Rezension von Peter Aronoff, Bryn Mawr Classical Review 2024.08.06
âą Barbara Zehnpfennig: Reflexion und Metareflexion bei Platon und Fichte. Ein Strukturvergleich des Platonischen âCharmidesâ und Fichtes âBestimmung des Menschenâ (= Symposion. Bd. 82). Alber, Freiburg/MĂŒnchen 1987, ISBN 3-495-47619-9
Weblinks
Ausgaben und Ăbersetzungen
âą Charmides, griechischer Text nach der Ausgabe von John Burnet, 1903
âą Charmides, deutsche Ăbersetzung nach Friedrich Schleiermacher, bearbeitet
âą Charmides, deutsche Ăbersetzung von Friedrich Schleiermacher
Literatur
âą Hugh Benson: Plato: Charmides. Commentary
âą Michael Eisenstadt: Critiasâ Definitions of ÏÏÏÏÎżÏÏΜη in Platoâs Charmides. In: Hermes 136, 2008, S. 492â495
âą Michael Eisenstadt: The Affects and Senses in Platoâs Charmides. In: Hermes 139, 2011, S. 84â87
Anmerkungen
cite-note-11. â Siehe zu den Darstellungsarten Michael Erler: Platon, Basel 2007, S. 71â75.
cite-note-22. â Zum Ort siehe Bernd Witte: Die Wissenschaft vom Guten und Bösen. Interpretationen zu Platons âCharmidesâ, Berlin 1970, S. 40 f.
cite-note-33. â Platon, Charmides 153a.
cite-note-44. â Christopher Planeaux: Socrates, Alcibiades, and Platoâs ΀ᜰ Î ÎżÏΔÎčΎΔαÏÎčÎșÎŹ. Does the Charmides have an Historical Setting? In: Mnemosyne 52, 1999, S. 72â77; Debra Nails: The People of Plato, Indianapolis 2002, S. 311 f.; Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic, Chicago 2010, S. 237â240.
cite-note-55. â Platon, Charmides 154b.
cite-note-66. â Platon, Charmides 163bâc.
cite-note-77. â Zum Charakter der einzelnen Dialogfiguren und zu den historischen Personen Kritias und Charmides siehe Walter Thomas Schmid: Platoâs Charmides and the Socratic Ideal of Rationality, Albany 1998, S. 10â14; Thomas M. Tuozzo: Platoâs Charmides, Cambridge 2011, S. 52â90; Young-Sik Sue: Selbsterkenntnis im Charmides, WĂŒrzburg 2006, S. 27â44; Debra Nails: The People of Plato, Indianapolis 2002, S. 90â94, 108â113; Voula Tsouna: Socratesâ Attack on Intellectualism in the Charmides. In: Mark L. McPherran (Hrsg.): Wisdom, Ignorance and Virtue (= Apeiron 30/4), Edmonton 1997, S. 63â78, hier: 63â72; Gerasimos Santas: Socrates at Work on Virtue and Knowledge in Platoâs Charmides. In: Edward N. Lee u. a. (Hrsg.): Exegesis and Argument, Assen 1973, S. 105â132, hier: 105â108.
cite-note-88. â Platon, Charmides 153aâ155b. Vgl. den Kommentar von Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic, Chicago 2010, S. 147â162.
cite-note-99. â Platon, Charmides 155eâ157c. Vgl. den Kommentar von Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic, Chicago 2010, S. 162â169. Zur thrakischen Medizin und zu Zalmoxis siehe die einschlĂ€gigen BeitrĂ€ge in Thomas M. Robinson, Luc Brisson (Hrsg.): Plato: Euthydemus, Lysis, Charmides, Sankt Augustin 2000, S. 278â295 sowie Zoe Petre: âZalmoxis, roi et dieuâ. Autour du Charmide. In: Dacia 51, 2007, S. 47â72; Francis P. Coolidge: The Relation of Philosophy to ÎŁÏÏÏÎżÏÏΜη: Zalmoxian Medicine in Platoâs Charmides. In: Ancient Philosophy 13, 1993, S. 23â36. Vgl. Mark L. McPherran: Socrates and Zalmoxis on Drugs, Charms, and Purification. In: Apeiron 37, 2004, S. 11â33.
cite-note-1010. â Platon, Charmides 157câ158e. Vgl. Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic, Chicago 2010, S. 169 f.
cite-note-1111. â Platon, Charmides 158eâ161b. Vgl. Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic, Chicago 2010, S. 170â173; Michael Erler: Der Sinn der Aporien in den Dialogen Platons, Berlin 1987, S. 171â177.
cite-note-1212. â Gerhard MĂŒller: Philosophische Dialogkunst Platons (am Beispiel des Charmides). In: Museum Helveticum 33, 1976, S. 129â161, hier: 131.
cite-note-1313. â Platon, Charmides 161bâ162b. Vgl. Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic, Chicago 2010, S. 173â178; Michael Erler: Der Sinn der Aporien in den Dialogen Platons, Berlin 1987, S. 177â181.
cite-note-1414. â Siehe dazu Theodor Ebert: Meinung und Wissen in der Philosophie Platons, Berlin 1974, S. 55â57.
cite-note-1515. â Platon, Charmides 162câ164d. Vgl. Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic, Chicago 2010, S. 178â185; Michael Erler: Der Sinn der Aporien in den Dialogen Platons, Berlin 1987, S. 181â186.
cite-note-1616. â Siehe dazu Theodor Ebert: Meinung und Wissen in der Philosophie Platons, Berlin 1974, S. 58.
cite-note-1717. â Platon, Charmides 164dâ167a. Vgl. Aryeh Kosman: Virtues of Thought, Cambridge (Massachusetts) 2014, S. 227â235; Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic, Chicago 2010, S. 185â203; Michael Erler: Der Sinn der Aporien in den Dialogen Platons, Berlin 1987, S. 186â189.
cite-note-1818. â Platon, Charmides 167aâ169d. Vgl. Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic, Chicago 2010, S. 203â208; Michael Erler: Der Sinn der Aporien in den Dialogen Platons, Berlin 1987, S. 190â197.
cite-note-1919. â Platon, Charmides 169eâ172c. Vgl. Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic, Chicago 2010, S. 208â215; Michael Erler: Der Sinn der Aporien in den Dialogen Platons, Berlin 1987, S. 197â200.
cite-note-2020. â Platon, Charmides 172câ173d. Vgl. Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic, Chicago 2010, S. 215â218; Michael Erler: Der Sinn der Aporien in den Dialogen Platons, Berlin 1987, S. 200â202.
cite-note-2121. â Platon, Charmides 173dâ175d. Vgl. Hans-Georg Gadamer: Praktisches Wissen. In: Gadamer: Gesammelte Werke, Bd. 5, TĂŒbingen 1985, S. 230â248, hier: 235 f.; Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic, Chicago 2010, S. 218â230; Michael Erler: Der Sinn der Aporien in den Dialogen Platons, Berlin 1987, S. 201â210.
cite-note-2222. â Platon, Charmides 175dâ176d. Vgl. Laurence Lampert: How Philosophy Became Socratic, Chicago 2010, S. 230â234; Michael Erler: Der Sinn der Aporien in den Dialogen Platons, Berlin 1987, S. 210â212.
cite-note-2323. â Charles H. Kahn: Plato and the Socratic Dialogue, Cambridge 1996, S. 197 f.
cite-note-2424. â John Stuart Mill: Notes on Some of the More Popular Dialogues of Plato. In: Collected Works of John Stuart Mill, Bd. 11, Toronto 1978 (Erstveröffentlichung), S. 37â238, hier: 186.
cite-note-2525. â Louis-AndrĂ© Dorion: Charmide. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques, Bd. 5, Teil 1, Paris 2012, S. 723â732, hier: 730 f.; Young-Sik Sue: Selbsterkenntnis im Charmides, WĂŒrzburg 2006, S. 17â19; Richard McKim: Socratic Self-Knowledge and âKnowledge of Knowledgeâ in Platoâs Charmides. In: Transactions of the American Philological Association 115, 1985, S. 59â77.
cite-note-2626. â Hugh H. Benson: A Note on Socratic Self-Knowledge in the Charmides. In: Ancient Philosophy 23, 2003, S. 31â47, hier: 33â40, 46.
cite-note-2727. â Gabriela Roxana Carone: Socratesâ Human Wisdom and Sophrosune in Charmides 164c ff. In: Ancient Philosophy 18, 1998, S. 267â286, hier: 267 f., 285 f.
cite-note-2828. â Charles H. Kahn: Plato and the Socratic Dialogue, Cambridge 1996, S. 197â203.
cite-note-2929. â Edward Halper: Is Knowledge of Knowledge Possible?: Charmides 167aâ169d. In: Thomas M. Robinson, Luc Brisson (Hrsg.): Plato: Euthydemus, Lysis, Charmides, Sankt Augustin 2000, S. 309â316.
cite-note-3030. â Paul Natorp: Platos Ideenlehre, 3. Auflage, Darmstadt 1961, S. 25â29; Michael Erler: Platon, Basel 2007, S. 107; Michael Erler: Der Sinn der Aporien in den Dialogen Platons, Berlin 1987, S. 190â197; Gerhard MĂŒller: Philosophische Dialogkunst Platons (am Beispiel des Charmides). In: Museum Helveticum 33, 1976, S. 129â161, hier: 159â161. Vgl. Mary Margaret McCabe: Looking Inside Charmidesâ Cloak: Seeing Others and Oneself in Platoâs Charmides. In: Dominic Scott (Hrsg.): Maieusis, Oxford 2007, S. 1â19, hier: 16â18; Alan Pichanick: Two Rival Conceptions of SĂŽphrosunĂȘ. In: Polis 22, 2005, S. 249â264.
cite-note-3131. â Joachim Adamietz: Zur ErklĂ€rung des Hauptteils von Platons Charmides (164aâ175d). In: Hermes 97, 1969, S. 37â57; Bernd Effe: Platons âCharmidesâ und der âAlkibiadesâ des Aischines von Sphettos. In: Hermes 99, 1971, S. 198â208; Oded Balaban: Le rejet de la connaissance de la connaissance, la thĂšse centrale du Charmide de Platon. In: Revue Philosophique de Louvain 106, 2008, S. 663â693.
cite-note-3232. â Ekkehard Martens: Das selbstbezĂŒgliche Wissen in Platons âCharmidesâ, MĂŒnchen 1973, S. 84â91.
cite-note-3434. â Platon, Charmides 175eâ176d.
cite-note-3535. â Thomas Alexander SzlezĂĄk: Platon und die Schriftlichkeit der Philosophie. Interpretationen zu den frĂŒhen und mittleren Dialogen, Berlin 1985, S. 127â150.
cite-note-3636. â Walter Thomas Schmid: Platoâs Charmides and the Socratic Ideal of Rationality, Albany 1998, S. 3â5, 12.
cite-note-3737. â Walter Thomas Schmid: Platoâs Charmides and the Socratic Ideal of Rationality, Albany 1998, S. 5 f.
cite-note-3838. â Michael Eisenstadt: Critiasâ Definitions of ÏÏÏÏÎżÏÏΜη in Platoâs Charmides. In: Hermes 136, 2008, S. 492â495.
cite-note-3939. â Siehe zu diesem politischen Hintergrund Noburu Notomi: Critias and the Origin of Platoâs Political Philosophy. In: Thomas M. Robinson, Luc Brisson (Hrsg.): Plato: Euthydemus, Lysis, Charmides, Sankt Augustin 2000, S. 237â250; Noburu Notomi: Ethical Examination in context. The Criticism of Critias in Platoâs Charmides. In: Maurizio Migliori u. a. (Hrsg.): Plato Ethicus. Philosophy is Life, Sankt Augustin 2004, S. 245â254; Walter Thomas Schmid: Platoâs Charmides and the Socratic Ideal of Rationality, Albany 1998, S. 10â14. Vgl. Voula Tsouna: Socratesâ Attack on Intellectualism in the Charmides. In: Mark L. McPherran (Hrsg.): Wisdom, Ignorance and Virtue (= Apeiron 30/4), Edmonton 1997, S. 63â78, hier: 63 f.
cite-note-4040. â Siehe zu diesem Aspekt Gabriel Danzig: Platoâs Charmides as a Political Act: Apologetics and the Promotion of Ideology. In: Greek, Roman, and Byzantine Studies 53, 2013, S. 486â519. Vgl. Thomas M. Tuozzo: Platoâs Charmides, Cambridge 2011, S. 53â90.
cite-note-4141. â Michael Erler: Platon, Basel 2007, S. 104; Gerhard MĂŒller: Philosophische Dialogkunst Platons (am Beispiel des Charmides). In: Museum Helveticum 33, 1976, S. 129â161, hier: 160 f.; Holger Thesleff: Platonic Patterns, Las Vegas 2009, S. 298; Gerhart Schmidt: Platons Vernunftkritik oder die Doppelrolle des Sokrates im Dialog Charmides, WĂŒrzburg 1985, S. 9; Bernd Witte: Die Wissenschaft vom Guten und Bösen. Interpretationen zu Platons âCharmidesâ, Berlin 1970, S. 42â46.
cite-note-4242. â Diogenes Laertios 3,57â59.
cite-note-4343. â Athenaios 5,187eâf.
cite-note-4444. â Siehe zur TextĂŒberlieferung David J. Murphy: The Manuscripts of Platoâs Charmides. In: Mnemosyne 43, 1990, S. 316â340.
cite-note-4545. â Oxford, Bodleian Library, Clarke 39 (= âCodex Bâ der Platon-TextĂŒberlieferung).
cite-note-4646. â James Hankins: Plato in the Italian Renaissance, 3. Auflage, Leiden 1994, S. 313, 452 f.
cite-note-4747. â Siehe zu Ficinos Ăbersetzung David J. Murphy: The Basis of the Text of Platoâs Charmides. In: Mnemosyne 55, 2002, S. 131â158, hier: 150â153.
cite-note-4848. â David J. Murphy: The Basis of the Text of Platoâs Charmides. In: Mnemosyne 55, 2002, S. 131â158, hier: 153 f.; James Hankins: Plato in the Italian Renaissance, 3. Auflage, Leiden 1994, S. 449â453.
cite-note-4949. â David J. Murphy: The Basis of the Text of Platoâs Charmides. In: Mnemosyne 55, 2002, S. 131â158, hier: 154 f.
cite-note-5050. â Siehe dazu Hans Herter: Selbsterkenntnis der Sophrosyne. In: Hans Herter: Kleine Schriften, MĂŒnchen 1975, S. 305â315, hier: S. 315 und Anm. 49.
cite-note-5151. â Michael Erler: Platon, Basel 2007, S. 106.
cite-note-5252. â Ernst Heitsch: Platon und die AnfĂ€nge seines dialektischen Philosophierens, Göttingen 2004, S. 93.
cite-note-5353. â Siehe den Forschungsbericht von Ekkehard Martens: Das selbstbezĂŒgliche Wissen in Platons âCharmidesâ, MĂŒnchen 1973, S. 11â16.
cite-note-5454. â Klaus Oehler: Die Lehre vom noetischen und dianoetischen Denken bei Platon und Aristoteles, MĂŒnchen 1962, S. 108 f.
cite-note-5555. â Theodor Ebert: Meinung und Wissen in der Philosophie Platons, Berlin 1974, S. 59â61.
cite-note-5656. â Gerhart Schmidt: Platons Vernunftkritik oder die Doppelrolle des Sokrates im Dialog Charmides, WĂŒrzburg 1985, S. 7, 9.
cite-note-5757. â Karen Gloy: Platons Theorie der áŒÏÎčÏÏÎźÎŒÎ· áŒÎ±Ï
ÏáżÏ im Charmides als VorlĂ€ufer der modernen Selbstbewusstseinstheorien. In: Kant-Studien 77, 1986, S. 137â164, hier: 139.
cite-note-5858. â Barbara Zehnpfennig: Reflexion und Metareflexion bei Platon und Fichte, Freiburg/MĂŒnchen 1987, S. 13 f.
cite-note-5959. â Franz von Kutschera: Platons Philosophie, Bd. 1, Paderborn 2002, S. 169, 180.
cite-note-6060. â Ernst Heitsch: Platon und die AnfĂ€nge seines dialektischen Philosophierens, Göttingen 2004, S. 110.